Über den Mut & die Kraft weiterzumachen

Umgang mit schweren Rückschlägen

Erstmal möchten wir dir sagen, dass wir stolz auf dich sind, dass du diesen Beitrag geöffnet und den ersten Schritt damit getan hast, mit deiner persönlichen Herausforderung umzugehen. Wir wünschen uns, dass der folgende Text dich zum richtigen Zeitpunkt erreicht und dir hilft.

Es wird darum gehen, wie du wieder Kraft schöpfen kannst, wenn du gerade wirklich nicht weißt, wie du (wieder) anfangen sollst. Wenn sich alles wirklich sehr, sehr schwer anfühlt.
Für den ein oder anderen Motivationskick haben wir im internen Blog zahlreiche Beitrage – hier jedoch befassen wir uns eingehend damit, mit großem Schmerz, Kummer und Ratlosigkeit umzugehen.
Ein schwerer Rückschlag kann für jeden von uns etwas anderes sein: nach einem langen Krankheitsverlauf oder einer Verletzung wieder auf die Beine zu kommen, die Corona-Pandemie die einen jegliche Routine und den damit verbundenen Halt raubt oder der Verlust eines geliebten Menschen.

Wichtig ist zu wissen:

  1. Du bist nicht allein.
    Wenn wir überwältigt sind, ziehen wir uns innerlich oft zurück. Das ist eine natürliche Reaktion, denn viele möchten in Ruhe alles verarbeiten. Für Außenstehende ist es immer schwierig passende Worte zu finden, vieles kann dich verletzen oder Widerstand bei dir auslösen. Bitte sei deinen Mitmenschen nicht böse, sie wissen es nicht besser, es gibt keine böse Absicht von ihnen und sie können deine Situation nicht vollständig nachvollziehen.
    Es gibt eine Sache, die du dir sagen kannst, um etwas Trost zu finden: es gibt zu fast jeder Situation jemanden, der sie bereits durchgemacht hat und von dessen Erkenntnissen und Erfahrungen du lernen kannst. Verletzungen, Krisen oder der Tod, das alles passiert leider nicht zum ersten Mal auf dieser Welt. Das relativiert in keiner Weise deinen eigenen Schmerz, sei dir einfach gewiss, dass du mit deinem Kummer nicht auf dich allein gestellt bist.
  2. Bewerte deine Gefühle nicht.
    Egal, was gerade in dir vorgeht, du brauchst dich nicht zu schämen, in keinster Weise. Wirklich nicht. Du musst dich nicht rechtfertigen und vergleiche dich in deiner Situation auf keinen Fall mit anderen. Deine Situation ist eine ganz persönliche. Denn jeder geht mit emotionalen Herausforderungen anders um, jeder braucht unterschiedlich lang. Ob Wut, Groll, Traurigkeit, Verzweiflung etc. das alles ist weder gut noch schlecht, bitte lass diesen Gefühlen Raum und verdräng sie nicht. Wie du diesen Gefühlen in einem gesunden, heilenden Maß ihren Lauf lassen kannst, erklären wir dir im nächsten Punkt.
  3. Du bist mehr als dein Gefühl.
    Es mag sich erst merkwürdig anhören, wenn wir dir sagen, dass du dich nicht mit deinen Gefühlen identifizieren sollst. Gefühle kommen und gehen, du bleibst. Wenn du wütend bist oder traurig, heißt das niemals dass du ein wütender, trauriger Mensch bist und schon gar nicht in irgendeiner Weise unzulänglich. Du bist wertvoll und viel mehr als du denkst: all deine positiven Charakterzüge, deine einzigartigen Fähigkeiten, deine Ausstrahlung.
    Stelle dir vor, dass deine Gefühle wie Wolken sind. Lass sie durchziehen, jede Wolke braucht unterschiedlich lang und ist unterschiedlich groß aber jede Wolke zieht mal vorbei. Und wenn alle Wolken gewichen sind, bleibt der blaue Himmel. Dieser Himmel bist du. Über jeder Wolkenschicht, so dunkel und düster sie auch sein mag, verbirgt sich immer ein eine klare, große Weite. Jeder der mal im Flugzeug war, kennt das.
    Um einen Schritt zurückzutreten von deinen Gefühlen und sie einfach sein zu lassen, haben wir hier ein paar Vorschläge für dich:

    1. Bauchatmung
      Du kannst dich hinlegen oder hinsetzen. Lege eine Hand auf deine Brust und eine auf deinen Bauch. Atme bewusst ein und aus. Wir empfehlen dir die 4-7-8-Atmung: vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden anhalten und acht Sekunden ausatmen. Diese Technik beruhigt das Nervensystem. Mache diese Übung drei Minuten und wenn es dir gefällt, steigere es auf fünf. Nach spätestens zehn Minuten sollte eine deutliche Beruhigung auftreten.
    2. Meditation
      Setze dich bequem an einen Ort, wo dich niemand für eine Zeit lang stören kann. Setz dir einen Timer von zehn Minuten und mache die oben beschriebene Wolken-Visualisierung. Bei der Meditation geht es nie darum, nicht zu denken oder nichts zu fühlen. Es geht darum, dem Ganzen einen urteilsfreien Raum zu bieten damit sie von alleine verschwinden können.
    3. Bewegung wie Yoga, Spazieren, Laufen (möglichst an der frischen Luft)
      Raus aus dem Kopf und rein in den Körper. Wenn du dich bewegst, bringst du Energie in den ganzen Körper, die vorher nur in deinen Kopf war. Es wird dir guttun, vor allem in der Natur, wo du dich als Teil von etwas Ganzem fühlen kannst.
    4. Schreiben & Zeichnen
      Bringe deine Gedanken auf Papier, in Schriftform oder sogar bildlich. Oft fühlt es sich befreiend an, so als wenn du deinen Kopf leerst. Das Geschriebene musst du nicht lesen und es muss auch keinen Sinn ergeben. Wenn du möchtest, kannst du danach die Sachen an einem sicheren, feuerfesten (!) Ort verbrennen.
  4. Gib dir keinerlei Schuld. / Gib niemanden die Schuld.
    Bei einer Verletzung, die du dir selber zugezogen hast, wirst du dich wahrscheinlich über dich ärgern. Aber weißt du: jeder macht Fehler. Vergebe dir und gib deiner Genesung und Entwicklung Zeit.
    Du trägst keine Schuld an Krankheiten und du brauchst dir auch keine Vorwürfe zu machen, wenn du einen persönlichen Verlust erlebst. Es sind Dinge, die (leider) einfach passieren.
    Eine Schuldzuweisung hilft nie und lähmt nur. Vor allem wenn du wütend bist, schadest du dir nur selber. Wütend zu sein ist wie Gift zu trinken und zu erwarten, dass der andere umkippt.
  5. Frag nach Hilfe.
    Keiner wird dich dafür verurteilen, wenn du nach Hilfe fragst. Es ist kein Zeichen von Schwäche zu zeigen, dass du verletzlich bist. Es ist ein Zeichen großen Mutes aus deinem Schmerz rauszutreten und Heilung in der Verbundenheit mit anderen zu finden. Das Vereinsteam ist auf jeden Fall für dich da. Du hast bestimmt Freunde und Familienangehörige, die du nach Rat fragen kannst. Für den Fall, dass du nicht möchtest, dass deine vertrauten Mitmenschen dir helfen, weil du dich zu sehr schämst (was du nicht brauchst) oder von Panik überwältigt bist, wende dich bitte an eine Seelsorge. Diese Menschen sind im psychiatrischen Notdienst ausgebildet und werden dir helfen.

Nimm dir bitte die Zeit, diese fünf Punkte für dich innerlich anzunehmen. Das ist ein wichtiger Schritt, bevor wir den nächsten machen. Den des Kraftschöpfens und des Umsetzens.

Beim Kraftschöpfen ist es wichtig, dass du es von ganzem Herzen für dich machst, in deinem Tempo. Es ist kein An und Aus-Schalter, sondern ein Prozess.
Den stärksten Motor und Antrieb in deinem Leben wirst du immer finden, wenn du deine Beweggründe kennst. Deshalb haben wir hier drei Fragen für dich, die dir dabei helfen deine Kraftquelle aufzubauen:

  1. Was ist dein Warum?
    Mögliche Antworten können sein: körperlicher/mentaler Ausgleich, Erfüllung, persönliche Herausforderung, Spaß an der Freude, Neugier etc.
    Stell dir einfach die Frage, warum du all die Ausrüstung gekauft hast, die Fahrzeiten auf dich nimmst, teilweise morgens früh auf dem Eis stehst anstatt im Bett liegen zu bleiben.
  2. Und wie fühlt es sich an?
    Verbinde dein Warum mit einem (oder gerne natürlich mehreren) dir wichtigem Gefühl. Der Trick dabei besteht darin, dieses Gefühl möglichst ausführlich zu beschreiben.
    Hier ein kleines Beispiel:
    „Eislaufen ist mir wichtig und ich gehe gerne zum Training, weil ich hier Gleichgesinnte finde und Spaß an neuen körperlichen Herausforderungen habe. Ich fühle mich mit meinen neuen, gleichaltrigen Freunden verbunden und wir lachen viel. Manchmal tut mein Bauch sogar vor Lachen weh. Der Spaß, den wir haben ist für mich ein Highlight zu meiner Schulwoche. Das Gleiten auf dem Eis ist einfach erfrischend und Springen fühlt sich an wie Fliegen.“
  3. Kannst du dir später verzeihen, aufgehört/nicht wieder angefangen zu haben?
    Die Frage mag erschreckend und schwierig sein, doch sie versetzt uns in eine Vogelperspektive, um die Gesamtsituation von Weitem zu beobachten. Wenn du alles daran gesetzt hast, wieder anzufangen und es geht einfach nicht, dann ist das vollkommen okay. Nach schwierigen Zeiten gibt es immer gute – lass dich nicht von deinen Zweifeln aufhalten, wenn dir etwas wirklich wichtig ist. Auch eine Pandemie geht vorbei, genauso wie der Schmerz nach einem Verlust mit der Zeit nachlassen wird, auch wenn du es im Hier & Jetzt noch nicht glaubst. Und frag dich mal, würde der Mensch, der nicht mehr da ist, wollen, dass du aufhörst? Wir sind der festen Überzeugung, dass Menschen, die uns wichtig waren, und wir denen natürlich auch, immer möchten, dass wir glücklich sind. Lass dir allein durch diese Gewissheit Kraft geben.

Du fragst dich bestimmt: was hat das alles überhaupt genau mit Eislaufen im Verein zu tun? Sehr viel.
Jedem aus dem Vereinsteam (und natürlich vielen von den Mitgliedern, aber wir möchten in diesem Fall für uns sprechen) liegt dieser Sport besonders am Herzen.
Ob Training, Organisation, Betreuung, Administration, Stärkung des Zusammenhalts, Ideenentwicklung – das alles machen wir mit ganzem Herzblut ehrenamtlich, weil wir wissen, dass Sport das unglaubliche Potenzial birgt, den Charakter fürs Leben zu formen und zu stärken. Uns geht es nicht nur darum, euch Sprünge, Pirouetten und Schritte beizubringen, sondern auch Ehrgeiz, Disziplin, Durchhaltevermögen, Bereitschaft und Selbstbewusstsein.
Wenn der Tag kommt, wo es in deinem Leben eine andere Priorität geben wird wie Studium, Beruf oder doch ein anderes Hobby, dann werden wir uns erstens freuen, dass du dabei gewesen bist und zweitens darüber, dass wir dazu beitragen konnten, dir etwas auf deinem Lebensweg mitgegeben zu haben, dass dir weiterhelfen wird.

Das war auf jeden Fall sehr viel Input für dich. Erlaube dir die Zeit, das alles auch zu verarbeiten. Bei Fragen stehen wir dir selbstverständlich persönlich, telefonisch, per Mail und per WhatsApp zur Verfügung.

Du bist uns wichtig und schön, dass es dich gibt.

Mit Liebe,
dein Vereinsteam